Wie Musik Schüler beflügelt: Musik und Theaterprojekt in Mannheim
Die Pestalozzi-Grundschule und die Johannes-Kepler-Grundschule in Mannheim sind Teil des Projekts „SingPause“, bei dem Kindern mit niedrigschwelligem Gesangsunterricht die Welt der Musik nähergebracht wird. Weitere Schulen wollen mitmachen. Aber es fehlt Geld.
22.6.2026
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Das hat die Schüler „unheimlich bereichert, ja beflügelt“, sagt die Rektorin: „SingPause“ in der Pestalozzischule mit Hannes Kehl (r.). © PIX-Sportfotos
Mannheim. Sie recken die Arme nach vorne und in die Höhe, lassen sie kreisen, führen sie über dem Kopf zusammen und vor ihrer Brust, summen leise einen Ton: „Nuuuuuuu…“. Es folgen Sprechübungen, das Echospiel, dann schnipsen sie mit dem Finger, erst dann wird „Tatütata, die Feuerwehr ist da“ und schließlich sogar „Bruder Jakob“ als zweisprachiger Kanon angestimmt. So läuft sie ab, die „SingPause“, ein neues Angebot in der Pestalozzi-Grundschule und parallel auch in der Johannes-Kepler-Grundschule, das auf weitere Schulen ausgeweitet werden soll.
„Macht das Spaß?“, fragt Kulturbürgermeister Thorsten Riehle die Kinder, und ihm schallt ein lautes, vielstimmiges „Jaaaa“ entgegen. Aber das merkt man auch so, wenn Hannes Kehl ins Klassenzimmer kommt und den regulären Unterricht unterbricht. Zweimal wöchentlich gehen er und andere Sänger oder Musikpädagogen für je 20 Minuten in die Klassen, vermitteln spielerisch-niederschwellig musikalische Grundkenntnisse, machen rhythmische Schulung, Stimm- und Gehörbildung und studieren Lieder ein.
Als Riehle und sein für Bildung zuständiger Kollege Dirk Grunert an diesem Morgen vorbeischauen, sind sie in einer „schwierigen Klasse“, wie Rektorin Stefanie Hagemann warnt. Aber davon ist so gut wie nichts zu spüren. Das seit Herbst laufende Projekt habe die Schüler „unheimlich bereichert, ja beflügelt“, sagt die Rektorin. Es läuft in der Pestalozzischule in den Klassen 1 bis 4, in der Johanne-Kepler-Grundschule nur in den Klassen 1 und 2.
Die Idee dazu kommt aus Düsseldorf, wo die „SingPause“ 2006 eingeführt wurde. Seitdem gibt es „SingPause“-Projekte in einer wachsenden Zahl an deutschen Städten. In Mannheim hatten Sänger Benedikt Nawrath, Leiter vom Künstlerischen Betriebsbüro des Nationaltheaters, und Gernot Herweh, Vorsitzender vom Kurpfälzer Chorverband, die Initiative ergriffen und zur Kooperation die städtische Musikschule, die Musikhochschule und das Nationaltheater gewonnen. Es sei „ein super gutes Gemeinschaftsprojekt“, lobt Björn Strangmann, Leiter der Musikschule, der außer Hannes Kehl auch Regina Gaynanow und Stephan Kraus aus seinem Team an Musikpädagogen für den Einsatz an den Schulen hat begeistern können.
„Gemeinsames Singen vermittelt nicht nur sehr demokratisch musikalische Kompetenzen, sondern stärkt erwiesenermaßen auch das emotionale und soziale Miteinander“, ist Benedikt Nawrath überzeugt. Die Schüler würden dabei ganzheitlich gefördert, zögen Selbstbewusstsein daraus, motorische und kogitive Fähingkeiten würden gefördert. „Und sie lernen voneinander und lernen, sich gegenseitig zuzuhören“, so Nawrath.
Singen stärkt die sozialen Kompetenzen
Das bestätigen die Lehrer. „Selbst ganz schlechte Schüler sind da richtig gut und blühen auf“, so Lehrerin Catherine MacAllister. „Die Konzentrationsfähigkeit der Kinder hat sich spürbar verbessert, ebenso entwickeln sich Sprachkompetenz, Aussprache und Wortschatz deutlich positiv“, hat Rektorin Hagemann beobachtet. Besonders wertvoll seien die Verbindung von Bewegung, Rhythmus, Sprache und Musik. Durch das gemeinsame Singen würden zudem „soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme, Teamfähigkeit und gegenseitiges Zuhören gestärkt“, bekräftigt sie, und das trage „zu einer positiven Lernatmosphäre im gesamten Schulhaus bei“, so Hagemann. „Die Kinder erleben Gemeinschaft unabhängig von Herkunft oder sozialen Voraussetzungen“, so die Schulleiterin.
Eine besonders große Gemeinschaft werden sie jetzt, zum Abschluss des Schuljahres, erleben. Alle beteiligten Klassen, 300 Schüler der Pestalozzischule und 100 der Johannes-Kepler-Schule, geben ein Abschlusskonzert am 7. Juli um 10.30 Uhr in der Oper am Luisenpark. „Das wird ganz groß und der Höhepunkt“, so Nawrath, der das so organisiert hat, dass außer den 400 Kindern auch noch ihre Eltern und Gäste Platz haben.
