Aktu­el­les aus dem Schulleben

Am 24. Juni im Mannhhei­mer Morgen erschienen:

Wie Musik Schüler beflü­gelt: Musik und Thea­ter­pro­jekt in Mannheim

Die Pesta­lozzi-Grund­schule und die Johan­nes-Kepler-Grund­schule in Mann­heim sind Teil des Projekts „Sing­Pause“, bei dem Kindern mit nied­rig­schwel­li­gem Gesangs­un­ter­richt die Welt der Musik näher­ge­bracht wird. Weitere Schulen wollen mitma­chen. Aber es fehlt Geld.

22.6.2026

Von 

Peter W. Ragge

Das hat die Schüler „unheim­lich berei­chert, ja beflü­gelt“, sagt die Rekto­rin: „Sing­Pause“ in der Pesta­loz­zi­schule mit Hannes Kehl (r.). © PIX-Sportfotos

Mann­heim. Sie recken die Arme nach vorne und in die Höhe, lassen sie kreisen, führen sie über dem Kopf zusam­men und vor ihrer Brust, summen leise einen Ton: „Nuuuuuuu…“. Es folgen Sprech­übun­gen, das Echo­spiel, dann schnip­sen sie mit dem Finger, erst dann wird „Tatü­tata, die Feuer­wehr ist da“ und schließ­lich sogar „Bruder Jakob“ als zwei­spra­chi­ger Kanon ange­stimmt. So läuft sie ab, die „Sing­Pause“, ein neues Angebot in der Pesta­lozzi-Grund­schule und paral­lel auch in der Johan­nes-Kepler-Grund­schule, das auf weitere Schulen ausge­wei­tet werden soll.

„Macht das Spaß?“, fragt Kultur­bür­ger­meis­ter Thors­ten Riehle die Kinder, und ihm schallt ein lautes, viel­stim­mi­ges „Jaaaa“ entge­gen. Aber das merkt man auch so, wenn Hannes Kehl ins Klas­sen­zim­mer kommt und den regu­lä­ren Unter­richt unter­bricht. Zweimal wöchent­lich gehen er und andere Sänger oder Musik­päd­ago­gen für je 20 Minuten in die Klassen, vermit­teln spie­le­risch-nieder­schwel­lig musi­ka­li­sche Grund­kennt­nisse, machen rhyth­mi­sche Schu­lung, Stimm- und Gehör­bil­dung und studie­ren Lieder ein.

Als Riehle und sein für Bildung zustän­di­ger Kollege Dirk Grunert an diesem Morgen vorbei­schauen, sind sie in einer „schwie­ri­gen Klasse“, wie Rekto­rin Stefa­nie Hage­mann warnt. Aber davon ist so gut wie nichts zu spüren. Das seit Herbst laufende Projekt habe die Schüler „unheim­lich berei­chert, ja beflü­gelt“, sagt die Rekto­rin. Es läuft in der Pesta­loz­zi­schule in den Klassen 1 bis 4, in der Johanne-Kepler-Grund­schule nur in den Klassen 1 und 2.

Die Idee dazu kommt aus Düssel­dorf, wo die „Sing­Pause“ 2006 einge­führt wurde. Seitdem gibt es „SingPause“-Projekte in einer wach­sen­den Zahl an deut­schen Städten. In Mann­heim hatten Sänger Bene­dikt Nawrath, Leiter vom Künst­le­ri­schen Betriebs­büro des Natio­nal­thea­ters, und Gernot Herweh, Vorsit­zen­der vom Kurpfäl­zer Chor­ver­band, die Initia­tive ergrif­fen und zur Koope­ra­tion die städ­ti­sche Musik­schule, die Musik­hoch­schule und das Natio­nal­thea­ter gewon­nen. Es sei „ein super gutes Gemein­schafts­pro­jekt“, lobt Björn Strang­mann, Leiter der Musik­schule, der außer Hannes Kehl auch Regina Gayn­a­now und Stephan Kraus aus seinem Team an Musik­päd­ago­gen für den Einsatz an den Schulen hat begeis­tern können.

„Gemein­sa­mes Singen vermit­telt nicht nur sehr demo­kra­tisch musi­ka­li­sche Kompe­ten­zen, sondern stärkt erwie­se­ner­ma­ßen auch das emotio­nale und soziale Mitein­an­der“, ist Bene­dikt Nawrath über­zeugt. Die Schüler würden dabei ganz­heit­lich geför­dert, zögen Selbst­be­wusst­sein daraus, moto­ri­sche und kogi­tive Fähing­kei­ten würden geför­dert. „Und sie lernen vonein­an­der und lernen, sich gegen­sei­tig zuzu­hö­ren“, so Nawrath.

Singen stärkt die sozia­len Kompetenzen

Das bestä­ti­gen die Lehrer. „Selbst ganz schlechte Schüler sind da richtig gut und blühen auf“, so Lehre­rin Cathe­rine MacAl­lis­ter. „Die Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit der Kinder hat sich spürbar verbes­sert, ebenso entwi­ckeln sich Sprach­kom­pe­tenz, Ausspra­che und Wort­schatz deut­lich positiv“, hat Rekto­rin Hage­mann beob­ach­tet. Beson­ders wert­voll seien die Verbin­dung von Bewe­gung, Rhyth­mus, Sprache und Musik. Durch das gemein­same Singen würden zudem „soziale Kompe­ten­zen wie Rück­sicht­nahme, Team­fä­hig­keit und gegen­sei­ti­ges Zuhören gestärkt“, bekräf­tigt sie, und das trage „zu einer posi­ti­ven Lernat­mo­sphäre im gesam­ten Schul­haus bei“, so Hage­mann. „Die Kinder erleben Gemein­schaft unab­hän­gig von Herkunft oder sozia­len Voraus­set­zun­gen“, so die Schulleiterin.

Eine beson­ders große Gemein­schaft werden sie jetzt, zum Abschluss des Schul­jah­res, erleben. Alle betei­lig­ten Klassen, 300 Schüler der Pesta­loz­zi­schule und 100 der Johan­nes-Kepler-Schule, geben ein Abschluss­kon­zert am 7. Juli um 10.30 Uhr in der Oper am Luisen­park. „Das wird ganz groß und der Höhe­punkt“, so Nawrath, der das so orga­ni­siert hat, dass außer den 400 Kindern auch noch ihre Eltern und Gäste Platz haben.

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